Latein und Griechisch in Trier

Guten Tag! Mein Name ist Christiane Schwind. Ich habe Griechisch in Heidelberg und Trier studiert und leite seit 2007 die Graecumkurse an der Universität Trier. Zusätzlich habe ich schon einige Male Kurse für Abiturienten angeboten, die keine Vorkenntnisse erfordern und in der Zeit vom Abitur Ende März bis zur jährlichen Trierer Latinum- und Graecumprüfung im September/Oktober führen. Diese Kurse ruhen im Moment.

Im Folgenden gebe ich einige kurze Antworten auf die Fragen, die mir am häufigsten gestellt werden.

Was sind Graecum und Latinum eigentlich?

Die exakte Bezeichnung lautet "Staatliche Ergänzungsprüfung Griechisch" bzw. "Staatliche Ergänzungsprüfung Latein". Beide sind Ergänzungen zum Abitur; dieses ist also unerlässliche Voraussetzung für die Zulassung zur Prüfung.
Interessenten, die (noch) kein Abitur haben, können dennoch gern an meinen Kursen teilnehmen oder Nachhilfe und Betreuung erhalten. Sie können lediglich die Abschlussprüfung Graecum/Latinum nicht ablegen.

Was hat man davon?

Vermutlich brauchen Sie das Graecum oder Latinum für Ihr Studium. Aber was ist der Sinn dahinter?
Die Erfindung der Schriftlichkeit erlaubt uns, noch heute die Worte Homers, Euripides' und Platons, Vergils und Ciceros zu lesen, wie sie vor Tausenden von Jahren formuliert wurden. So erschließen uns die alten Sprachen Kulturen, die unsere eigene Kultur und unser Bewusstsein wesentlich mitgeformt haben, und Texte und Gedanken, mit denen sich die Welt - in Literatur und Philosophie - immer noch im regen Gespräch befindet.
Nicht zuletzt können wir an den alten Sprachen in ihrer Besonderheit und Andersartigkeit und an den darin überlieferten Texten unsere eigene Sprachkompetenz, unsere eigenen gedanklichen Fähigkeiten schulen wie an nur wenigen anderen Disziplinen. In einer Zeit, in der der Chat-Einzeiler eine Hauptform der Kommunikation darstellt, ist das eine Herausforderung, die ihren Lohn in sich selbst trägt.

Worauf legen Sie in Ihrem Unterricht Wert?

Sie werden natürlich sehr viele Formen lernen müssen. Ohne gute Kenntnis der Formen ist es nicht möglich, Bezüge im Text zu erkennen. Formen (und ein solider Vokabel-Grundschatz) sind aber nur das Handwerkszeug; unser Ziel ist, antike Texte zu verstehen. Von Anfang werden wir deshalb genau hinschauen: Welche Wörter, welche Formen sehen wir? Wie genau ist dieser Satz oder dieser Ausdruck aufgebaut? Welche sprachlichen Mittel und Strukturen sind ähnlich, welche ganz anders als in unserer Sprache? Wie sind die logischen Beziehungen der Gedanken untereinander? In welchem Kontext stehen sie? Welche sprachlichen Mittel und Strukturen sind ähnlich, welche ganz anders als in unserer Sprache? Und uns immer auch fragen: Wie ist es gemeint, und wie können wir es sinnvoll in die eigene Sprache übertragen?

Wieviel Zeit sollte man einplanen?

Es ist ohne weiteres möglich, ohne Vorkenntnisse berufs- oder studienbegleitend in einem halben bis einem Jahr bis zur Prüfung zu kommen. Ich habe auch schon Schüler in vier Monaten mit großem Erfolg zum Graecum begleitet. Dabei kommt es natürlich auf verschiedene Faktoren an: Die Zeit und Ruhe, die zur Verfügung steht, Konzentrationsfähigkeit, Sprachbegabung, Begeisterungsfähigkeit und Entdeckerfreude (helfen enorm beim Lernen!) und anderes.
Wichtig ist aber vor allem Übung. Sie muss gar nicht sehr lange am Stück stattfinden, aber regelmäßig. Lernen ist vor allem Wiederholung! Ich helfe gern dabei, einen persönlichen Lernplan aufzustellen.
Crashkurse à la "in 4 Wochen ohne Vorkenntnisse zum Latinum/Graecum" biete ich nicht an. Solche Kurse, die eher einer Gehirnwäsche gleichen als einem echten Lernen, funktionieren trotz vielen Versprechungen meist nicht einmal, und ich bin auch der Meinung, dass weder die Sprachen noch die Texte der Antike eine solche tour de force verdienen. Sie sollen auch langfristig etwas davon haben, wenn Sie mit mir lernen, vor allem Freude und ein vertieftes Interesse an der Sache - so dass Sie vielleicht auch über die Prüfung hinaus die alten Sprachen für sich weiterentdecken!